Interview mit Rolf-Fritz Schill

4. November 2010

Im November 2010 war ich in Glottertal, einem kleinen Ort im Schwarzwald in der Nähe von Freiburg, wo sich der Drehort der Erfolgsserie „Schwarzwaldklinik“ befindet. Dort habe ich ein Interview mit Rolf-Fritz Schill geführt, der im Ort ein Café betreibt, in dem sich eine Art kleines Schwarzwaldklinik-Museum befindet und das ein wichtiger Treffpunkt für Fans der Serie ist. Schill verrät uns, wie die Serie den Ort und sein Leben verändert hat.

Herr Schill, ursprünglich war dieser Betrieb ein Friseursalon und teilweise ein Souvenirladen. Wann sind Sie auf die Idee gekommen, daraus ein Café für Schwarzwaldklinik-Fans zu machen und wie war der Erfolg anfangs?

Durch diese Geschichte, die meines Erachtens einmalig ist, hat sich natürlich unser Leben total auf den Kopf gestellt und ich habe mich dieser Sache gestellt. Ich habe mir gesagt, diese Situation muss man solange in den Händen festhalten, wie es nur geht und das ist mir auch gelungen. Dann stand ich natürlich eines Tages vor der entscheidenden Frage: Ich kann nicht drei Herren dienen, beziehungsweise Café, Souvenirs und Friseursalon, und somit habe ich 1968/69 den Friseurberuf aufgegeben und habe hier über Jahre Souvenirs verkauft, was ein sehr großer Erfolg war. Aber jetzt hat sich das in den letzten Jahren doch sehr nach unten bewegt und ich dachte mir, was mache ich aus diesem Raum? Und in all den Jahren haben sich ganz viele Dinge angehäuft, viele Bilder, viele Erinnerungsstücke, die diese fantastische Serie ein bisschen am Leben erhalten. Da dachte ich mir, warum sollte ich das nicht auch ein bisschen als Dankbarkeit betrachten und dieser einmaligen Geschichte zum Weiterleben verhelfen. Dann habe ich daraus eine Art kleines Museum, wie man es vielleicht bezeichnen könnte, gemacht. Die Fans sind ganz begeistert, wenn sie hierher kommen. Es gibt immer noch einige, die auf den Spuren wandeln und diese sind natürlich begeistert, weil sie hier wirklich vorfinden, was sie suchen. Weil letzten Endes hat sich um die Klinik herum doch einiges so verändert, dass nicht mehr so viel direkt an die Geschichte erinnert.

Kommen wir noch einmal zurück zum Start der Schwarzwaldklinik in den 80er Jahren. War hier gleich von Anfang an ein großer Betrieb?

Es war so. Ich bin ja mehr oder weniger hinter diesen berühmten Hecken, also weg von der Hauptstraße, an einer Straße zur Klinik, die meinem Geschäft nicht sehr positiv gelegen war. Als 1984 die Dreharbeiten begannen, hatten wir wohl etwas wahrgenommen, dass die Wagen der Produktionsfirma Polyphon an uns vorbeifuhren und man hörte so ein bisschen, dass dort oben ein Film gedreht werden sollte. Man hatte ja keinen direkten Bezug dazu. Erst als 1985 die Erstausstrahlung im Oktober war, das war wie ein mittleres Erdbeben. Das war mir klar, das war unmittelbar in unserer Nähe. Jetzt plötzlich standen wir im Mittelpunkt. Das war schon ein Phänomen, das ist eine einmalige Geschichte. Plötzlich kamen diese Leute, die wir all die Jahre vermisst hatten, an unserem Haus vorbei. Dadurch stehe ich auch heute immer noch dankbar hinter dieser ganzen Geschichte und habe heute noch Kontakt zu Herrn Rademann, dem Produzenten. Ich habe ihm immer wieder bekundet, wie froh ich bin, denn letzten Endes hat die Geschichte mein Geschäft gerettet, sonst weiß ich nicht, wo ich wäre.

Es gab auch Zeiten, als ganze Reisebusse hierher gefahren waren. Zu welcher Zeit war der größte Besucheransturm?

Das ging eigentlich von Anfang an gleich nach oben. Am Anfang kamen die Elsässer, also das benachbarte Frankreich, die kamen täglich mit drei bis fünf Bussen. Dann kamen vereinzelt auch die Schweizer, aber damit hatte es sich eigentlich auch schon. Es war toll, es war viel Leben hier. Es kamen vereinzelt noch andere Regionen, auch Belgien und Holland usw., aber es hat sich dann nach zwei, drei Jahren auch wieder ein bisschen normalisiert. Der richtige Boom – unbeschreiblich – kam erst 1989, als die Wiedervereinigung war. Das war ein unwahrscheinlicher Boom, die waren alle in den Startlöchern. Es hatte sich politisch so viel verändert und plötzlich, als die Grenzen aufgingen, kamen Busse und Busse. An einem Tag, es war der erste Tag der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober, da hatten wir über den Tag gesehen ungefähr 65 Busse. Das war unglaublich! Und zwischendurch, und vorher auch, gab es immer wieder Situationen, wo junge Ärzte das benutzt haben, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen, weil auch das Fernsehen hier immer präsent war. Oder das Waldsterben war ein Thema und alle diese Dinge, für uns war das alles eigentlich nur positiv.

Zu den Souvenirs und Devotionalien der Schwarzwaldklinik, die hier all die Jahre verkauft wurden, gibt es da etwas, was besonders beliebt war bei den Touristen oder den Fans?

Ja, es gab zum Beispiel den Sherry, in Plüschform, den Arztkoffer, es gab die Klinik als Bausatz für die Eisenbahn … Es war nicht direkt so ein Highlight darunter, alles im allem ging es so la la. Es war breit gestreut, es hat sich nicht irgendetwas darunter als der Hauptrenner erwiesen. Ich würde sagen, die Postkarten waren vielleicht an erster Stelle, die Ansichtskarten und damals war auch der Stocknagel, das Schild, was man auf die Stöcke machte, das hat auch unwahrscheinlich Erfolg gehabt. Natürlich Gläser und viele, viele Dinge mehr, aber das ein Artikel das Highlight war, kann ich schlecht sagen.

Ich möchte einmal auf den Schwarzwaldklinik-Stein vor Ihrem Café zu sprechen kommen. Wie ist es überhaupt dazu gekommen? Wer hatte die Idee und wie ist dieser Stein entstanden?

Diese Idee hatte natürlich ich. Damals hatte ich gedacht, ich muss es ja festhalten und ich wollte der ganzen Geschichte irgendwo etwas in Dankbarkeit zeigen und für später dokumentieren. In Hollywood gibt es zum Beispiel diese Sterne oder auch zum Teil Fuß- und Handabdrücke im Gips. Ich hatte mich auch schon damit beschäftigt, wollte mich aber nicht unbedingt ins Lächerliche begeben. Dann dachte ich, ich mache irgendetwas und dann kam ich auf die Idee: ein Stein. Der Stein ist Sandstein, der ist hier in der Gegend heimisch, und da die Unterschriften hereinzuschreiben, das wäre doch eine Sache, die lange bleiben könnte. Und somit habe ich dies gemacht, es war 1992, und dadurch, dass ich das in die Öffentlichkeit bringen wollte, brauchte ich einen Schauspieler oder eine Schauspielerin. Und da ist eigentlich das erste Treffen, 1992, mit der Frau Bauer, der sogenannten Oberschwester Hildegard, zustande gekommen. Ich hatte sie angerufen, es war ein Phänomen, wie sie am Telefon war und sie war spontan bereit und sie kam. Dann hatten wir natürlich eine gute Presse und hatten eine Feier gemacht. Von da an hatten wir einen unwahrscheinlich guten Kontakt zu ihr. Sie hat mehrfach bei uns gewohnt, ich habe sie oftmals chauffiert. Es war eine ganz liebe Beziehung über viele Jahre. Leider lebt sie nicht mehr.

Aber Sie hatten auch Kontakt zu den anderen Darstellern?

Ja, mehr oder weniger, ganz besonders zu Wussow. Er war ein ganz einmaliger Mensch. Ich meine einfach, er hatte nur Gutes getan. Er hatte auch Vieles getan für die Kinderkrebshilfe, hat dafür Millionen bereitgestellt durch seine Anwesenheit. Die Katharinenhöhe oder später Tannheim, da wurde Vieles gemacht durch seine Initiative. Und mit Jochen Schröder habe ich heute noch ganz tollen Kontakt, der Pfleger Micha spielte, und im Moment auch ein bisschen mit Barbara Wussow und auch mit Sascha, die in Tannheim weiter gemacht haben mit der Kinderkrebshilfe. Mit dem einen mehr, mit dem einen weniger, ich habe es immer so gehalten, wenn ich gespürt habe, dass die Leute das nicht unbedingt wollen, dann habe ich mich auch immer ein bisschen zurückgehalten. Damit bin ich eigentlich immer gut gefahren. Manchmal habe ich mir Vorwürfe gemacht, warum ich nicht etwas mutiger war, aber im Großen und Ganzen war es eine einmalige Geschichte, die ich nie missen möchte. Ich kann gar nicht beschreiben, was das in unserem Leben verändert hat. So eine Fernsehgeschichte, das ist unglaublich.

Als abschließende Frage, finden auch heute noch regelmäßig Fan-Treffen in ihrem Café statt?

Ja, da gibt es einen Fanclub und die Simone Rein aus Herscheid, die macht das ganz gut. Manchmal meinen sie, sie wollten ein Fortführen der Serie erzwingen, aber das ist einfach nicht machbar. Der Herr Rademann, ich kann ihn gut verstehen, er will das nicht aus ganz bestimmten Gründen. Und diese Fan-Treffen werden weiterhin stattfinden, jedes Jahr. Das wird aufrecht erhalten und da bin ich auch offen dafür. Solange ich kann, mache ich da mit und es ist auch wieder nett. Es sind natürlich manchmal ein paar gravierende Fans darunter, die manchmal die Realitäten etwas außen vor lassen, aber sonst ist es im Großen und Ganzen immer eine ganz tolle Geschichte.

Herr Schill, vielen Dank für Ihre umfangreiche Auskunft.

Bitte, bitte. Gerne.

 

Im Januar 2016 wurde das Café Schill geschlossen.