Interview mit Daniel Paul

6. Mai 2010

Kann man den ORF in der Oberpfalz über DVB-T dauerhaft empfangen? Ja, man kann es, wenn man sich der technischen Herausforderung stellt. Daniel Paul aus Weiding hat weder Kosten noch Mühen gescheut und eine außergewöhnliche Antennenkonstruktion auf dem Hausdach installiert, die einen stabilen Empfang der ORF-Programme trotz der großen Entfernung ermöglicht. In einem Fragebogen-Interview hat sich Daniel Paul sehr ausführlich und detailliert zu diesem technischen Abenteuer geäußert.

Hier gibt es einen Videobericht über Daniel Paul und seine Antennenanlage.

Daniel, Du empfängst in Weiding den ORF via DVB-T. Welchen Senderstandort peilst Du dafür an und welcher Antennenaufwand ist hierfür notwendig?

Weiding liegt auf 370 m Meereshöhe und ist ein 1000-Einwohner-Ort im Landkreis Cham im Oberen Bayerischen Wald. Für den ostbayerischen Raum kommt in Sachen ORF-Empfang nahezu ausschließlich der Sender Gaisberg bei Salzburg in Frage, also auch bei mir in der südlichen Oberpfalz. Zwischen dem Landkreis Cham und dem Salzburger Land liegen aber die fast 1.000 Meter hohen westlichen Ausläufer des Bayerischen Waldes, die – könnte man meinen – den elektromagnetischen Wellen aus Österreich den Weg hierher gänzlich versperren. In anderen ostbayerischen Regionen, wie beispielsweise dem Gäuboden im Landkreis Straubing-Bogen (Niederbayern) ist der DVB-T-Empfang aus Salzburg dagegen relativ unproblematisch möglich. Dort sieht man heute noch auf beinahe jedem Hausdach eine große VHF- und eine große UHF-Kanalantenne Richtung Salzburg.

In unserem Ort gibt es überraschender Weise ein paar schmale Empfangsschneisen, in denen der DVB-T-Empfang mit einer geeigneten „Kanalantenne“, beispielsweise der Kathrein AOS 32 und einem rauscharmen Vorverstärker trotz der 170 km Luftlinie nach Salzburg klappt. Da spielen schon wenige 100 Meter eine unwahrscheinliche Rolle, die über Empfang und Nichtempfang entscheidend sind. Mein Haus liegt da leider äußerst ungünstig. Dagegen sind die UKW-Programme aus Salzburg (bis auf Radio Salzburg auf 94,8 MHz – unser Ortssender Hoher Bogen strahlt Bayern 3 auf 94,7 MHz aus) in Stereo und mit RDS tadellos empfangbar, und das schon mit einem UKW-Runddipol auf dem Dach.

In Bezug auf DVB-T aus Österreich habe ich im Juni 2007(nach der DVB-T-Umstellung am Gaisberg) mit einer AOS 32 und einem Vorverstärker mit 33 dB Verstärkung und 0,7 dB Rauschmaß angefangen. Ich bekam zwar ein Bild, aber es gab sehr oft Totalausfälle. Empfang war ehrlich gesagt nur an wenigen Tagen bzw. Abenden im Jahr möglich. Das war natürlich nicht zufriedenstellend und sehr ärgerlich, denn ein nur 200 m entfernter Nachbar hatte schon mit einer Hirschmann FESA 815 N 37 (Vormast-Antenne) tadellosen und dauerhaft stabilen Empfang.

Durch Zufall bin ich dann im Sommer 2008 in den Besitz eines Doppelauslegers von Kathrein gekommen (gibt es schon lange nicht mehr im Handel, dieser hatte früher die Bezeichnung ZTA 21). Daraufhin habe ich im August 2008 auf einen AOS-32-Zwilling umgerüstet. Seither war der Empfang ziemlich beständig, trotzdem gab’s immer mal wieder Ausfälle und Pixelmatsch. Ich hatte zwar Empfang, aber nahezu keine Reserve, sodaß bei bestimmten Wetterlagen der Empfang zusammenbrach. Letzten Sommer kam mir dann die Idee einer Vierergruppe. Aber in der heutigen Zeit eine solche Anordnung in 75-Ohm-Technik aufzubauen, ist eine nicht ganz einfache Sache. Der dazu benötigte Vierfach-Ausleger stellte bei dieser Planung das geringste Problem dar. Nur die Masthalterungen sind hier original von zwei Kathrein-Auslegern ZTA 11 (denn diese gibt es nach wie vor), den Rest hat mir ein Metallbauer auf meine Zeichnung hin angefertigt und verzinkt.

Der Schwerpunkt beim Aufbau einer solchen Antennenkonstruktion ist das Zusammenführen der vier Antennen auf eine Ableitung. Vor 20 Jahren hat Kathrein solche „Vierer-Koppelweichen“ mit dem Namen EVA 46 hergestellt, die heute eine wertvolle Rarität darstellen. Die Funktionsweise ist relativ einfach: Über Viertelwellen-Transformationsleitungen wird die Impedanz wieder auf 75 Ohm gebracht.
Wieder durch einen glücklichen Zufall bin ich auf eine bereits abgelaufene Ebay-Auktion gestoßen, bei der eine solche EVA 46 zum Preis von unter 10 Euro versteigert wurde. Ich kontaktierte über den Umweg des Verkäufers den Käufer dieser Weiche. Dabei stellte sich heraus, dass dieser als ein mir bekanntes Forumsmitglied im Radioforum aktiv ist. Und wie es der Zufall wollte, bekam er vom Verkäufer die falsche EVA 46 geliefert (der Verkäufer hatte zwei solcher EVA’s, aber nur eine zur Versteigerung angeboten) und nach Rücksprache mit diesem auch die zweite zum gleichen Preis übersandt. Somit hatte dieser zwei EVA 46-Koppelweichen. Nachdem ich mit diesem freundlichen jungen Mann aus NRW Kontakt aufgenommen hatte, kam ich jetzt vor wenigen Wochen in den Besitz einer solchen EVA 46. Ich tauschte diese mit einer von mir weiteren übrigen EVA 25 (für Zwillingsanordnung), die er jetzt brauchen kann.

Somit konnte ich meine Planungen zum Aufbau dieser Salzburg-Vierergruppe in die Realität umsetzen. Ich passte die Kabellängen in dieser Weiche genau an den Kanal 32 an und baute meine bisherige Anlage komplett ab. Bei meiner vorigen Anlage war auch die Kathrein CAS 75 (rot) am Antennenmast montiert, diese ist jetzt an einem kleinen Mast an der Westseite unseres Hausdaches.

Als neuen Mast für diese jetzt ausschließlich terrestrische Empfangsanlage habe ich den Kathrein ZSH 62 gekauft. Das ist die schwerste Ausführung eines Antennen-Schiebemastes überhaupt. Am letzten April-Wochenende konnte ich nun dieses große Antennenbauprojekt schließlich in die Tat umsetzen.

Hast Du mit dieser Konstruktion durchgehend einwandfreien Empfang der ORF-Programme?

Definitiv ja! Die Schwankungen und Ausfälle dürften jetzt der Vergangenheit angehören. Ich habe die neue Empfangsanlage zwar erst knapp 14 Tage in Betrieb, aber schon jetzt ist der deutlich höhere Qualitätspegel des Kanal 32 wesentlich stabiler als vorher. An einem regnerischen Tag vergangene Woche war das Signal einmal kurzzeitig an der unteren Grenze (im Farbbereich schwankend zwischen grün und gelb), aber das Bild blieb stabil und ohne Pixelfehler. Technisch bzw. empfangsmäßig gesehen hat diese Vierergruppe ihre Berechtigung, denn erst jetzt ist mein DVB-T-Empfang aus Salzburg endgültig zufriedenstellend. Mehr wäre wirklich nicht mehr machbar.

Darf man fragen, was der Antennenaufbau insgesamt gekostet hat?

Auch das ist kein Geheimnis. Für die ganze Antennenanlage (inklusive der hochwertigen Kathrein-Kabel LCM 14 und LCD 99) werden schon knapp 2.000 Euro zusammengekommen sein. Allein der Mast hat mich schon 400 Euro gekostet. Auch die Dachdurchführung mußte durch einen Spengler vergrößert werden und die große Mastschelle als auch der große Mastfuß (beides Marke Eigenbau) zählen selbstverständlich ebenfalls mit zu den Gesamtkosten.

Eine derartige Antennenkonstruktion ist nicht trivial. Was muß man besonders bei der Installation und bei der Auswahl der hierfür nötigen Komponenten beachten?

Besonders wichtig sind die Kabellängen von den vier Antennen zur Kathrein EVA 46. Diese trägt die offizielle Bezeichnung „EVA 46 – Antennen-Verbindungsleitung“.
Diese vier Kabel müssen exakt die gleiche Länge haben. Ideal wäre, wenn die Länge auch noch ein ungerades Vielfaches der Wellenlänge beträgt. Sogar das ist mir gelungen. Die fünffache Wellenlänge des Kanal 32 beträgt 2,66 m. Genau diese Länge war bei mir von den Antennen-Anschlußkästen bis zur Koppelweiche ideal passend.

Ein weiterer Punkt, den es zu beachten gilt, ist der Abstand der vier Antennen. In einer ausführlichen Mail hatte ich schon im vergangenen Herbst die Technische Kundenberatung von Kathrein um Auskunft über den optimalen Abstand in einer Vierergruppe gebeten. Mir wurde dann genau 1,395 Meter mitgeteilt, optimal für den Kanal 32 der AOS 32-Antenne, sowohl in der horizontalen als auch in der vertikalen Ebene. Nach dieser Vorgabe und im Vertrauen darauf habe ich meinen Vierfach-Ausleger anfertigen lassen.

Auch möchte ich noch einmal auf diese Weiche EVA 46 eingehen. Alle anderen Möglichkeiten zur Zusammenschaltung (beispielsweise ein breitbandiger Vierfachverteiler rückwärts, wie es Hirschmann damals empfohlen hat) habe ich von vorneherein ausgeschlossen. Man muß sich ja immer folgende Tatsache vor Augen führen: Eine AOS 32 bringt beim Kanal 32 17 dB Gewinn, ein Zwilling bringt ca. 2,5 dB mehr. Und eine Vierergruppe bringt wieder „nur“ 2,5 dB mehr. Bei Verwendung eines ungeeigneten „Zusammenschalters“ wäre hier der komplette zusätzliche Gewinn wieder zunichte und der ganze Aufbau hätte somit seine Wirkung in Sachen Empfangsgewinnmaximierung verfehlt.

Der terrestrische Empfang hat in Deutschland seit einiger Zeit stark an Bedeutung verloren. Bekommt man heute hierzulande überhaupt noch die nötigen Komponenten für solch eine Antennenkonstruktion im Handel oder ist man auch auf gebrauchte Ware angewiesen?

Das ist eben leider das große Problem. In vielen Dingen, vor allem beim mechanischen Aufbau (Bsp. Vierfach-Ausleger) kann man sich selber gut helfen.
Dass Kathrein immer noch so einen schweren und stabilen Schiebemast in seiner Produktpalette gelistet hat, kam mir hier sehr entgegen. Denn die Windlast eines solchen Aufbaus ist schon enorm. Bei den Weichen zur Zusammenschaltung dagegen ist man ausschließlich auf gebrauchte Ware angewiesen, was aber nicht heißen soll, dass diese aufgrund ihres Alters in der Funktion beeinträchtigt sein könnten. Diese Kathrein-Weichen sind hochwertige Alu-Gußgehäuse und auch das „Innenleben“ besteht aus höchster Qualität. Aber so ein Teil zu ergattern ist leider äußerst selten.

Die Terrestrik hat eben auch im Fachhandel stark an Bedeutung verloren. In der heutigen digitalen Zeit wird vielmehr Wert auf portablen und mobilen DVB-T-Empfang gelegt. Kleine DVB-T-Zimmerantennen bzw. –Außenantennen gibt es zur Genüge.
Gott sei Dank hat hier Kathrein nach wie vor auch noch eine große Auswahl an terrestrischen Dachantennen, deren Aufbau seit 30 Jahren unverändert ist. Aber eben leider keine Komponenten mehr für Zwillings- bzw. Viereranordnungen.

Hast Du diese aufwendige Antennenkonstruktion installiert, weil Du die ORF-Programme gerne sehen wolltest oder ging es Dir nur um die technische Herausforderung, entfernte Sender dauerhaft empfangen zu können?

Ich muss es ehrlich gestehen, der große Fernsehschauer bin ich nicht. Es ging mir in erster Linie um die technische Herausforderung, die ein solches ungewöhnliches Projekt mit sich bringt. Der jetzt beständige ORF-Empfang bereitet da meinen beiden (sportbegeisterten) jüngeren Brüdern wesentlich mehr Freude. Natürlich genieße ich jetzt auch den ORF, vor allem ORF 2, den ich aufgrund seiner österreichbezogenen und kulturellen Sendungen bevorzuge.

Hattest Du tatkräftige Unterstützung bei der Installation?

Beim Mastaufbau und bei der Erweiterung der Dachdurchführung hatte ich Unterstützung durch einen Spengler hier aus der Gegend. Beim Antennenaufbau half mir immer mal wieder mein Bruder. Vor allem beim Hochziehen des Schiebemastes war ich auf seine Unterstützung angewiesen. Auch beim Vorbereiten der vier gleich-langen Kabel konnte ich auf seine Mithilfe zählen. Die restlichen Arbeiten (Ausrichten und Ausmessen der vier Antennen sowie die komplette Verkabelung) erledigte ich alleine.

Hast Du beruflich mit Antennenbau zu tun oder ist es ein reines Hobby von Dir?

Das ist ein reines Hobby von mir. Der terrestrische Fernempfang (UKW und DVB-T aus 100 bis 250 km) fasziniert mich eben schon seit jeher. Und ein Forumsmitglied aus dem Radioforum hat es so treffen auf den Punkt gebracht: „Pure Leidenschaft – aus Liebe zur Terrestrik“. Diesen Satz kann ich nur dick unterstreichen. Beruflich bin ich in unserem kleinen Rathaus Verwaltungsfachangestellter schon seit meiner Lehrzeit vor knapp 10 Jahren. Das Rathaus ist nur einen Steinwurf von meinem Wohnhaus entfernt. Durch’s Fenster sehe ich tagtäglich meine gewaltige Antennenkonstruktion.

Seit der Umstellung auf DVB-T ist der ORF nur noch schwierig auf deutschem Gebiet zu empfangen, was vor allem auch lizenzrechtliche Gründe hat. Aber wie war es zu der Zeit, als der ORF noch analog über Antenne gesendet hat? Wie gut konnte man zu früheren Zeiten den ORF in Deiner Region empfangen?

Der Kanal 8 (ehem. ORF 1) war hier nahezu überall empfangbar, zwar leicht angerauscht, aber nicht großartig störend beim Schauen. Mit geeigneten Kanal-Antennen und rauscharmen Vorverstärkern wäre hier sicherlich ein tadelloses Bild machbar gewesen. Aber Vielen fehlte es eben an Erfahrung und Wissen. Da wurden größtenteils große Band-III-Antennen (Kanal 5 bis 12) verbaut. Mit speziellen Kanal-8-Antennen wäre da sicher der Empfang bei so manchem Zuschauer deutlich besser gewesen. Anders beim ehem. analogen Kanal 32. Dieser war nur vereinzelt empfangbar. Bei mir zuhause war zu Analogzeiten nur ORF 1 empfangbar, aber nicht ORF 2. Bei einem kurzen Test im Jahr 1997 (damals war ich gerade einmal 13 Jahre alt) war mit einer großen breitbandigen Ankaro-UHF-Antenne nur der Ton hörbar, das Bild war bis zur Unkenntlichkeit verrauscht. Dagegen hatten, wie bereits erwähnt, nur wenige 100 m entfernte Zuschauer in unserem Ort, die in dieser Einfallsschneise liegen, schon seit jeher tadellosen und fast rauschfreien ORF 2-Empfang.

Wie bereits in der ersten Frage erläutert, gibt es in unserer Gegend trotz der topographischen Schwierigkeiten schmale Empfangsschneisen, in denen ein überraschend guter Empfang (vor allem beim UHF-Kanal 32) möglich ist.

In unserer Kreisstadt Cham (165 km von Salzburg entfernt) errichtete die Bundespost 1992 eigens für die Einspeisung der ORF-Hörfunk- und Fernsehprogramme ins Chamer „Mini“-Kabelnetz eine Empfangsanlage, die ausschließlich Antennen (2 x VHF, 2 x UHF und 1 x UKW) nach Salzburg gerichtet hat. Diese Anlage, die sich die Post damals 300.000 Mark kosten ließ, ist bis zum heutigen Tag in Betrieb.

Welche Sendestandorte peilst Du außerdem an und mit welchem Aufwand?

Schon beim Aufbau meiner ersten AOS 32 im Juli 2007 habe ich mittels einer weiteren kleinen breitbandigen UHF-Antenne festgestellt, dass der Wendelstein bei mir hier – trotz der 180 km Entfernung – mit einer überraschend hohen Signalstärke und –qualität ankommt (kein Vergleich zum schwachen ORF-Empfang).

Also habe ich mich entschlossen, mit einer Kathrein AOT 65 (die größte UHF-Antenne mit 18 dB max. Gewinn) auch diesen BR-Standort anzupeilen und sämtliche Programmpakete von dort in unsere Hausanlage miteinzuspeisen. Fast alle von dort abgestrahlten Kanäle kommen mit einer unwahrscheinlichen Stärke und Qualität bei mir an, auch der hohe Kanal 66. Einzig der Kanal 34 mit dem RTL-Paket wird sehr oft vom Dillberg-Kanal 34 (dort ZDF-Paket) gestört und ist daher häufig nicht empfangbar. Auch diese Problematik konnte ich jetzt mit einem Kathrein-AOP 65-Zwilling (Vormast-Antenne) sehr gut in den Griff bekommen.

Durch den Aufbau der Vierergruppe war nun diese EVA 25-Zweierweiche vom vormaligen AOS 32-Zwilling übrig. Da mir der Winkel zwischen Dillberg (Störsender) und Wendelstein (Nutzsender) bekannt ist, konnte ich den Abstand zur Ausblendung des Dillberg-Störers genau ausrechnen. Damit ist der Kanal 34-Empfang vom Wendelstein bei mir jetzt stabiler geworden und der störende Dillberg um einige dB gedämpft.

Auch in Sachen UKW habe ich meine Anlage von einer 3-Elemente-Hirschmann auf eine 5-Elemente-Kathrein-Antenne aufgerüstet. Und der Unterschied ist deutlich „hörbar“. Diese Kathrein ABH 01 ist gerichtet zum Kitzbüheler Horn in Tirol. Von dort empfange ich (auch schon mit der 3-El.-UKW-Antenne) schon seit vielen Jahren Radio Tirol auf der 95,4 MHz. Trotz der schwachen Sendeleistung und der Distanz von 200 km Luftlinie ist dieses Hörfunkprogramm (welches ich ehrlich gestanden sehr gerne höre) einwandfrei und mit RDS zu empfangen. Der Bereich um diese Frequenz ist in unserer Gegend ziemlich frei und auch die 95,4 MHz selbst ist im größeren Umkreis nicht belegt. Mit hochwertigen und trennscharfen UKW-Tunern (beispielsweise der Sony XDR-F1HD oder der Kenwood KT-6040) schaffe ich sogar die Trennung zwischen der 94,8 MHz (Radio Salzburg vom Gaisberg) und der 94,7 MHz (Bayern 3 vom nur 9 km entfernten Hohen Bogen).

Haben sich schon Nachbarn und Anwohner zu der Antennenkonstruktion geäußert? Einen solchen Aufbau auf dem Dach sieht man schließlich nicht alle Tage.

Ja, gleich in den ersten Tagen wurde ich von einigen Bewohnern aus unserer Nachbarschaft auf meine gigantische Konstruktion angesprochen. Ich musste sie aber enttäuschen, denn die Frage, ob sie nicht auch bei mir mit anschließen könnten, mußte ich im Hinblick auf den trotzdem relativ schwachen (aber stabilen) Empfang spaßeshalber verneinen. Schon von Weitem sieht man in unserem Ort meine neue Anlage. Der Mast hat ja immerhin eine Länge (von den Dachziegeln bis zur Spitze) von 4,30 Metern. Das ist schon einmalig hier in unserer Gegend.

Der Antennenaufwand erinnert ein bisschen daran, was man zu DDR-Zeiten im „Tal der Ahnungslosen“, also im Raum Dresden unternommen hat, um dort Westfernsehen empfangen zu können. Wie ist das in der heutigen Zeit? Sind Dir hierzulande viele andere Menschen bekannt, die einen vergleichbaren oder gar noch größeren Antennenaufwand betreiben, um DVB-T aus einem benachbarten Land zu empfangen?

Nein, das kann ich wirklich ausschließen. Ich komme viel herum in unserer Region. Wenn ich unterwegs bin, dann richten sich meine Blicke fast immer auch auf die Hausdächer. Und eine vergleichbare Anlage im Bezug auf Fernseh- und Hörfunkempfang habe ich noch nicht gesehen. Man sieht ja heutzutage nicht mal mehr „Zwillingsaufbauten“. Auch das war schon eine Seltenheit.

Weiding ist auch nicht allzu weit von der tschechischen Grenze entfernt. Wie sieht es dort mit dem Empfang von tschechischem Fernsehen (analog oder digital) aus?

Nach mehrmaligen erfolglosen Versuchen – eigentlich kaum zu glauben –, vom nur 10 km entfernten Tschechien etwas zu empfangen, habe ich sämtliche Aktivitäten in dieser Hinsicht aufgegeben. Einzig und allein der analoge CZ-Kanal 31 war mit meinem AOS-32-Zwilling stark verrauscht und verzerrt empfangbar. Und in Sachen DVB-T wird in Tschechien derart gerichtet gesendet, daß hier nur unweit der Grenze nichts mehr ankommt. Mein Wohnort hier im Chambtal zwischen den Städten Cham und Furth im Wald liegt auch sehr ungünstig. Das Chambtal ist komplett von Tschechien, auch wenn es Luftlinie nur ca. 10 km sind, durch umliegende Berge größtenteils abgeschattet. Am Rande möchte ich noch erwähnen, daß der UKW-Empfang aus CZ hier dagegen überall möglich ist.

Seit wann interessierst Du Dich für den Fernempfang von terrestrischen Fernsehsendern? Wie hat alles begonnen und mit welcher Ausrüstung?

Begonnen hat im Grunde alles im Frühjahr 1996 (damals war ich 12). Zu meiner Firmung bekam im meinen ersten Grundig-48-er-Fernseher geschenkt. Neben dem analogen Sat-Empfang wollte ich damals auch unbedingt den terrestrischen Anschluß in meinem Zimmer, vor allem wegen ORF 1 analog. Ein Jahr später (1997) habe ich dann schon meine erste Hirschmann-3-Elemente-UKW-Antenne an unserem alten Antennenmast montiert und die alte und schon beschädigte Bosch-UHF-Antenne durch eine Ankaro-Vormast-UHF-Antenne ersetzt. Der Hohe Bogen, den der Bayerische Rundfunk und die Deutsche Bundespost gemeinsam zur Verbreitung ihrer Programme nutzten, sendete bei uns zu analogen Zeiten auf den drei Fernsehkanälen 28 (ZDF), 55 (Das Erste) und 59 (Bayerisches Fernsehen).

Der Hohe Bogen von Weiding aus gesehen

Kannst Du Dich an spektakuläre Überreichweitenempfänge erinnern?

Da gibt es leider nicht viel zu berichten. Ein einziges Mal konnte ich den Nürnberger DVB-T-Kanal 40 (Sat-1-Mux) bei mir daheim einlesen (jetzt Kanal 52). Und im UKW-Bereich hatte ich mal auf der 87,5 MHz einen Sender aus Italien in super Qualität. Sehr interessant dagegen war eine zweistündige UKW-Abschaltung vor einem Jahr am Hohen Bogen. Da waren plötzlich UKW-Sender zu hören, die sonst nicht annähernd empfangbar sind.

Du besitzt auch einen gebrauchten Testbildgenerator, der früher im regulären Sendebetrieb benutzt wurde. Wo war dieser Testbildgenerator im Einsatz? Wie funktioniert so ein Testbildgenerator eigentlich und welche Möglichkeiten hat man damit?

Das ist nicht ganz korrekt. Ein guter Freund von mir besitzt den hochwertigen und großen Testbildgenerator des alten Bundespost-Rohde&Schwarz-Senders vom Hohen Bogen vom 3. Programm auf Kanal 59. Hier ist aber mittlerweile der Ringkerntrafo durchgebrannt und somit das Gerät nicht funktionstüchtig. Ich konnte aber noch sämtliche bayerische Bundespoststandorte von diesem Gerät auf DVD aufzeichnen (mittels eines kleinen Schraubenziehers kann man an diesem Gerät alle deutschen Bundespost-Grundnetzsender einstellen).

A propo Testbild, was verbindest Du mit dem Fernsehen der 1980er und 1990er Jahre?

Ich kann mich noch als kleiner Bub gut an die Zeit erinnern, an denen beim Einschalten unseres alten Telefunken-Fernsehers am Morgen das Testbild erschien.
Diese unüberschaubare Programmvielfalt in der heutigen Zeit ist nahezu erdrückend. Von den Programminhalten möchte ich gar nicht reden. Das waren wirklich noch Zeiten damals. Ein paar wenige Programme und einfach diese analoge Technik, bei der noch auf Qualität Wert gelegt wurde. Ich denke da vor allem an den täglichen Sendeschluß mit den Hymnen, auch wenn ich diesen nur selten live erlebt habe. Auch heute noch sind im ersten Hörfunkprogramm des Bayerischen Rundfunks täglich um Mitternacht die Hymnen zu hören. Das rechne ich dem BR hoch an!

Vielen Dank für Deine Auskunft!

Fotos: Daniel Paul

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